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Am Institut werden unterschiedliche anwendungsbezogene drittmittelgeförderte Forschungsprojekte zum Verhältnis von Wirtschaft, Verwaltung, Recht und Geschlecht durchgeführt. Hier ein Überblick über derzeit laufende Vorhaben.


Menschenwürdige Arbeit und Zugang zum Recht? Eine rechtsvergleichende Untersuchung der Rechte von Hausangestellten in Diplomat_innenhaushalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Projektleitung: Dr. iur. Jana Hertwig, LL.M. (Eur. Integration)

Laufzeit: Oktober 2016 bis September 2018

Förderung: HWR-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Reisekosten)

Seit mehreren Jahren wird regelmäßig darüber berichtet, dass ausländische Diplomatinnen und Diplomaten ihre Hausangestellten europaweit ausbeuten und in ihren Rechten verletzen. Betroffene sind in erster Linie weibliche Hausangestellte aus Asien. Ihre Arbeits- und Lebenssituation ist besonders gravierend, da sie im Verborgenen leben und arbeiten sowie in einer extremen Abhängigkeit stehen. Der Zugang zum Rechtsweg bleibt ihnen jedoch aufgrund der Immunität der Diplomatinnen und Diplomaten versperrt.

In dem Projekt wird in einem ersten Schritt untersucht, welche Rechte Hausangestellte haben und welche Pflichten denjenigen Staaten obliegen, die Diplomatinnen und Diplomaten aufnehmen (hier: Deutschland, Österreich und die Schweiz) und entsenden. In einem zweiten Schritt wird gefragt, ob die vollständige Sperrung des Rechtsweges auch in Fällen schwerster Rechtsverletzungen (z.B. Menschenhandel, Sklaverei) rechtlich zulässig ist. In einem dritten Schritt wird der Frage nachgegangen, ob der Staat Bürgerinnen und Bürger für Schäden entschädigen muss, die sie bei der Anwendung völkerrechtlicher Verträge (hier: Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen) erleiden.

Posterpräsentation: Tagung „Politiken der Reproduktion – Politics of Reproduction“, Landesarbeitsgemeinschaft der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterforschung in Niedersachsen, 27. bis 29. März 2017, Hannover, Poster (PDF)

Vortrag: „Rechte privater Hausangestellter in Diplomat_innenhaushalten – am Beispiel Deutschlands“, Erste Gemeinsame Tagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien e.V. (Deutschland), der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der Schweizer Gesellschaft für Geschlechterforschung, 29. September 2017, Universität zu Köln


Arbeitslose ohne Leistungsansprüche: Analyse von Hintergründen, sozialer Situation und der Dynamik im Lebenslauf

Projektleitung: Sigrid Betzelt
Projektmitarbeit: Mareike Ebach
Förderung: Hans-Böckler-Stiftung, Zukunft des Wohlfahrtstaates
Laufzeit: Oktober 2014 bis September 2016

Das Projekt zielt auf die empirische Untersuchung der Gruppe der Nichtleistungsbeziehenden, also Arbeitsloser, die weder Anspruch auf Arbeitslosengeld I nach Sozialgesetzbuch III (SGB III), noch auf Grundsicherungsleistungen nach SGB II haben. Aktuell sind dies in Deutschland fast eine Viertelmillion Menschen oder ein Viertel aller SGB III-Arbeitslosen, darunter besonders viele ältere Frauen.

Die Problematik Arbeitsloser ohne Leistungsbezug ist nicht völlig neu, hat sich aber mit den Hartz-Reformen verschärft. Sie ergab sich vor ‚Hartz IV’, wenn Personen aufgrund diskontinuierlicher Erwerbsbiografien keine Ansprüche in der Arbeitslosenversicherung aufbauen konnten und sie mangels Bedürftigkeit auch keine Arbeitslosen- oder Sozialhilfe erhielten. Mit den Hartz-Reformen gingen der Wegfall der Arbeitslosenhilfe, verengte Zugangsbedingungen für Versicherungsleistungen und die vollständige Anrechnung von Partnereinkommen bei der Bedürftigkeitsprüfung für Arbeitslosengeld II einher. Dies hatte zur Folge, dass besonders für Personen in Paar-Haushalten (und hier vor allem für Frauen) der Zugang zu Sozialleistungen und sozialer Absicherung erschwert wurde. Zudem entstanden zwischen SGB II und SGB III neue Schnittstellenprobleme. Die Zuordnung zu den Rechtskreisen variiert je nach materieller Lage des Haushalts, insbesondere dem Erwerbsstatus des Partners/der Partnerin.

Zunächst zielt das Projekt auf eine systematische Aufarbeitung der komplexen Hintergründe der Entstehung von Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch. Welche Varianten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsanspruch gibt es, welche Rolle spielen verschiedene Einkommensarten einschließlich Sozialtransfers, Rentenansprüchen sowie von Vermögen wie selbst genutztem Wohnraum für die sozialrechtliche Nichthilfebedürftigkeit nach SGB II? Auf dieser Basis wird das Phänomen Nichtleistungsbezug in seiner Vielfalt und Dynamik (Übergänge aus Nicht-/Erwerbsstatus) unter Einbezug der privaten Haushaltskontexte untersucht. Wie häufig und welcher Art sind Zu- und Abgänge in / aus dem Status Nichtleistungsbezug? Wohin finden diese Statusübergänge statt und welche Einflussgrößen gibt es? Gibt es typische Erwerbsverlaufsmuster? Wie wird der Status und seine Entstehung sowie die Aktivierungspraxis der Bundesagentur von den Personen subjektiv erlebt und welche individuellen Handlungsstrategien finden sich?

Das Projekt verfolgt ein mixed-methods design quantitativer und qualitativer Methoden:
1. Auf Basis des Haushalts-Panels PASS des IAB Nürnberg werden komplexe, detaillierte Quer- und Längsschnittanalysen der Gruppe der Nichtleistungsbeziehenden der Wellen 2006-12 und ihres Haushaltskontexts durchgeführt (gepoolte Querschnittanalysen; deskriptive Sequenzanalysen der Erwerbsverläufe; multivariate Panelanalysen sowie Ereignisanalysen der Statusübergänge).
2. Biografische, problemzentrierte Interviews mit Nichtleistungsbeziehenden (NLB) zielen auf ein tieferes Verständnis der individuellen Hintergründe des Nichtleistungsbezugs, der Erwerbsverläufe und (Paar-)Konstellationen im Haushaltskontext und der Handlungsstrategien. Dabei dient die Typisierung von NLB auf Basis der quantitativen und der institutionellen Analysen als Grundlage für die Samplebildung. Ergänzend werden Expert/inn/engespräche mit relevanten AkteurInnen im Feld geführt.


Flexible Arbeitsmodelle für Führungskräfte - Forschungskooperation und Netzwerktätigkeit im Dialog von Wissenschaft und Praxis

Teil-Projektleitung: Monika Huesmann
Kooperationspartner_in: EAF Berlin | Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V.
Projektmitarbeit: Marc Gärtner
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung: Frauen an die Spitze
Laufzeit: Mai 2015 bis Juni 2016

Der Stand der Wissenschaft wird aus verschiedenen Fachgebieten wie Gender Studies, der BWL und VWL zusammengetragen und aufgearbeitet. Auf dieser Basis kann ein auf die unternehmerische/organisationale Praxis angepasster Wissenschafts-Praxis-Transfer erarbeitet werden.

In einem zweiten Schritt werden im Rahmen von Workshops mit Führungskräften aus Unternehmen und Forschungsorganisationen der Stand der Erkenntnisse über Erfolgsfaktoren und Risiken, Chancen und Probleme von flexiblen Arbeitszeitmodellen vermittelt. Im Dialog werden Erfahrungen und Kenntnisse aus der Praxis systematisch zusammengetragen, wobei die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis durch die gemeinsame Durchführung der Workshops mit Expert/innen der EAF und der HWR gewährleistet wird. Die Auswertung der Workshops erfolgt dann in einem geregelten Feedback-Prozess, so dass auch hier die enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis nachhaltig gewährleistet wird.

Aus den Erkenntnissen werden Fachpublikationen und Vorträge erstellt, so dass das Thema in der wissenschaftlichen Diskussion präsenter werden kann. Auf der einen Seite können diese Erkenntnisse die Fachdebatte im Rahmen des Diversity Management bereichern, da hier gerade die Verschränkung der Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis mit wissenschaftlichen Analysen von Interesse sind. Auf deranderen Seite werden Flexibilisierungsmodelle in der BWL sowohl im Rahmen von strategischen Herausforderungen wie demografischem Wandel und Fachkräftemangel als auch im Rahmen eines zukunftsorientierten Personalmanagements in Bezug auf Wertewandel und Internationalisierung von Arbeitskräften diskutiert und bewertet.

Fachkonferenz "Flexibles Arbeiten in Führung" am 17. März 2016 in der Kalkscheune in Berlin.


Frauen in Aufsichtsräten

Projektleitung: Friederike Maier
Projektdurchführung: Andrea-Hilla Carl, Karin Reichel
Förderung: Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Lehre der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen (BCP)
Laufzeit Projekt und Umsetzung Weiterbildung: Juni 2012 bis Dezember 2016/fortlaufend

Eine möglichst vielfältige Zusammensetzung der Aufsichtsräte gilt neben der richtigen Qualifikation der MandatsträgerInnen und der Beschränkung der Mandate als Baustein für eine möglichst effektive Arbeit. In Deutschland besteht noch in allen Bereichen erheblicher Nachholbedarf.Trotz freiwilliger Selbstverpflichtung und zahlreicher Maßnahmen zur Frauenförderung liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen (DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) nach den Zahlen des Women-on-Board-Indexes (FidAR e.V. 2012) bei 14% – davon sind 8% Arbeitnehmervertreterinnen und 6% Vertreterinnen der Anteilseignerseite.

Das oft gehörte Argument, es gäbe zu wenige für diese Funktionen qualifizierte Frauen, soll mit dem maßgeschneiderten Weiterbildungsprogramm entkräftet werden. Es soll aber keinesfalls signalisiert werden, dass nur Frauen eine entsprechende Qualifizierung benötigen. Die Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Deutscher Corporate Governance Kodex) hat bereits 2010 – auch vor dem Hintergrund vieler Bilanz- und Korruptionsskandale – eine Empfehlung zur Weiterbildung für alle ausgesprochen, die Mandatsträger_innen sind oder werden wollen. Frauen werden von den Anbietern einschlägiger Qualifizierungsangebote aber bisher nicht als Zielgruppe betrachtet – diese (Markt-)Lücke soll geschlossen werden.

Bis Ende 2015 wurde ein Weiterbildungsprogramm für Frauen, die bereits in Aufsichtsräten tätig sind oder die ein solches Mandat übernehmen wollen, entwickelt und zwei Mal mit Förderung durch das BCP erprobt. Die Weiterbildung vermittelt fundierte theoretische und praxisbezogene Inhalte für eine Positon in einem Aufsichtsgremium. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den strategischen Kompetenzen, damit sich Frauen zunächst in den Nominierungs- und später in den Entscheidungsprozessen gleichberechtigt durchsetzen können. Zielgruppe sind sowohl (potentielle) Mandatsträgerinnen aus dem privaten und dem öffentlichen Sektor sowie Vertreterinnen der Anteilseigner_innen und der Arbeitnehmer_innen. Neben sechs inhaltlichen Wochenendmodulen (Freitagnachmittag/-abend sowie ganztätig am Samstag) dient ein flankierendes Coachingangebot der Entwicklung einer jeweils maßgeschneiderten individuellen Strategie zur Erreichung der persönlichen Ziele.

Die Weiterbildung wird nach 2014, 2015, 2016 und 2017 auch in 2018 ab Juni wieder angeboten . Sie findet nun in der Verantwortung der BPS - Berlin Professional School der HWR Berlin statt.

Durchführung der Weiterbildung:
BPS - Berlin Professional School der HWR Berlin - Ansprechpartnerin: Dr. Philine Erfurt-Sandhu

Kooperationspartner:
Harriet Taylor Mill-Institut der HWR Berlin - Ansprechpartnerin: Dr. Andrea-Hilla Carl

Siehe auch Homepage der Weiterbildung und weiterführende Informationen zum Thema..


Genderkompetenz für Hochschulräte (GeKo HR) – Durchsetzung von Chancengerechtigkeit für Frauen an Hochschulen durch Kompetenzentwicklung für Hochschulräte

Projektleitung: Marianne Egger de Campo
Projektdurchführung: Karin Hildebrandt, Jochen Geppert
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Laufzeit: Juli 2015 bis Juni 2016

Das Projekt GeKo HR zielt darauf ab, Mitglieder von Hochschulräten als Akteure für den gleichstellungsorientierten Wandel an Hochschulen zu gewinnen. Trotz großer Unterschiede bei den Kompetenzen und den Aufgabenbereichen in den einzelnen Ländern, kommt dem Gremium Hochschulrat/Kuratorium aufgrund seines Einflusses auf strategische Entscheidungen der Hochschule große Bedeutung für die Entwicklung der Chancengerechtigkeit von Frauen an Hochschulen zu. Bisher ist dieses relativ neue Leitungsgremium in Hochschulen als Akteur und Multiplikator von Gleichstellungspolitik vernachlässigt worden. Das Projekt wird erstmalig ein eintägiges Vernetzungs- und  Kompetenzbildungstreffen zum Thema Gender-Kompetenz für Hochschulräte organisieren und an der HWR durchführen. Die Gender-Kompetenz wird durch eine praxisorientierte und zielgruppenspezifische Aufbereitung und Vermittlung von Gleichstellungswissen zu einzelnen, ausgewählten Aufgabenbereichen von Hochschulräten, wie z.B. bei der Beteiligung an Struktur- und Entwicklungsplänen vermittelt werden.

Bei der derzeit bestehenden Austauschplattform für Hochschulräte - dem Forum Hochschulräte des Stifterverbandes - spielen Gender-Aspekte kaum eine Rolle. Aus diesem Grund füllt dieses Vorhaben eine bestehende Lücke, in dem es Hochschulräte (externe, interne) fit macht im Bereich Gleichstellung. Sie werden damit zu kompetenten Partnern und Partnerinnen bei der Durchsetzung von Chancengerechtigkeit an Hochschulen. Kompetenzentwicklung für Mitglieder von Hochschulräten bedeutet, nicht bei einem angeblichen Defizit von Frauen im Hochschulbereich anzusetzen, sondern bei denen, die Strukturen von Hochschulen entscheidend mitprägen und oft gleichstellungsblind handeln, in diesem Fall: die Hochschulräte/Kuratorien. Eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik an Hochschulen braucht viele Akteure und Akteurinnen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter kompetent einsetzen, insbesondere die Leitungsorgane. Neue Organe dürfen dabei nicht vergessen werden.
Nach Abschluss des Vorhabens werden eine Handreichung und  „fact sheets” an die Vorsitzenden der Hochschulräte aller Hochschulen in allen Bundesländern zur Verteilung an die Mitglieder der Hochschulräte versendet.

Ebenso werden die Präsidentinnen bzw. Präsidenten (Rektorinnen, Rektoren) der Hochschulen per Mail über das durchgeführte Vorhaben und die dabei entwickelten Produkte informiert und gebeten, entsprechende Informationskanäle ihrer Hochschule, wie z.B. Hochschulzeitungen oder Newsletter zur Verbreitung der Informationen zu nutzen. Dafür werden Textbausteine geliefert, die die Grundinformationen und Ergebnisse des Vorhabens darstellen und von den Hochschulen zeitsparend zur Darstellung eigener Aktivitäten genutzt, aber auch verändert werden können.

Zusätzlich werden die Zentralen Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen als wichtige Gleichstellungsakteurinnen per Mail über das durchgeführte Vorhaben informiert und um Mithilfe bei der Verbreitung der Produkte gebeten, z.B. durch einen Hinweis auf die „fact sheets” auf den Seiten der Gleichstellungsbeauftragten sowie über eine Informationsemail. Zudem werden für Verbreitung der Ergebnisse des Projekts GeKo HR auch die Informationskanäle des Forums Hochschulräte des Stifterverbandes genutzt.

Weitere Informationen siehe Homepage des Projektes.


Ökonomische Eigenständigkeit von Frauen und Männern fördern - durch Einsatz von Gleichbehandlungs-Check (gb-check)

Teil-Projektleitung: Friederike Maier
Projektdurchführung am HTMI: Andrea-Hilla Carl, Andrea Jochmann-Döll, Karin Tondorf
Kooperationspartnerin: Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Förderung: EU Kommission, GD für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung
Laufzeit: Januar 2016 bis August 2017

Im Projekt „Ökonomische Eigenständigkeit von Frauen und Männern fördern – durch Einsatz von Gleichbehandlungs-Check (gb-check)“ liegt der Fokus auf diskriminierungsfreien Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer. Geschlechtsspezifische Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen haben großen Einfluss auf die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen und die Praxis zeigt: viele Frauen in Deutschland sind vom Ziel der ökonomischen Unabhängigkeit weit entfernt. Die Gleichbehandlung der Geschlechter im Arbeitsleben kann einen Beitrag dazu leisten, diese ökonomische Unabhängigkeit von Frauen sicher zu stellen.

Um diskriminierende Personalentscheidungen in den Bereichen Stellenausschreibung, Stellenbesetzung, Beschäftigungsbedingungen, Weiterbildung, beruflicher Aufstieg, Leistungsbeurteilung und Arbeitszeitgestaltung sichtbar zu machen, wird ein wissenschaftlich gestütztes Analyseinstrument entwickelt, der sogenannte Gleichbehandlungs-Check (gb-check). Der „gb-check“ soll es Unternehmen und betrieblichen Akteur_innen ermöglichen, die Gleichbehandlung der Geschlechter im Bereich der Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen zu prüfen und potenzielle Ungleichbehandlungen aufzudecken. Arbeitgeber_innen werden so für das Thema Diskriminierung sensibilisiert. Defizite werden erkannt und  Spielräume für mehr Chancengleichheit können aufgezeigt werden, um entsprechende Reaktionen überhaupt erst zu ermögichen.

Zur Beteiligung verschiedener Interessensgruppen sind im Projekt drei Runde Tische geplant. Der erste Runde Tisch wird Anfang Mai stattfinden und richtet sich an Vertreter_innen von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden sowie Gleichstellungsbeauftragte und Mitglieder von Betriebs- und Personalräten aus interessierten Unternehmen und Institutionen.

Im Anschluss an die Entwicklung des Analyseinstruments sollen ab Juli 2016 bis zu zehn Unternehmen den „gb-check“ in einer Pilotphase testen und so die Gleichbehandlung der Geschlechter im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen in ihrem Unternehmen prüfen. Im Anschluss an die Durchführung der Prüfung werden die Unternehmen von der ADS mit einem Zertifikat für ihre Teilnahme ausgezeichnet.

Die Evaluation des Pilotprojekts kann dazu beitragen, eventuelle Schwachstellen des Prüfinstruments zu identifizieren und zu beheben. Abschließend wird das Prüfinstrument der interessierten Öffentlichkeit auf einer Internetseite zugänglich gemacht, sodass in Zukunft Unternehmen die Prüfung der Gleichbehandlung der Geschlechter mit Hilfe eines Tutorials auch eigenständig durchführen können. Darüber hinaus werden die Erfahrungen aus der Pilotphase in einem Abschlussbericht zusammengefasst.

Das Projekt wird als Kooperationsprojekt von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit dem Harriet Taylor Mill-Institut der HWR Berlin gemeinsam durchgeführt.


GLEPA - Gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Pflege im Alter - Unterstützung von Vielfalt und Individualität in der Pflege

Teil-Projektleitung: Claudia Gather
Projektmitarbeit: Ralf Lohmann (ASH)
Förderung: Institut für angewandte Forschung (IFAF Berlin) 
Laufzeit: Juni 2015 bis Juni 2017

Lesben, Schwule, Bisexuell, Trans* und Intersex*Menschen (LSBTI) sind im besonderen Maße mit der Problematik konfrontiert, im Falle von Pflegebedürftigkeit, keine zufriedenstellende Pflege und Betreuung zu erhalten und eine Pflegeberatung und Serviceangebote später als etwa Heterosexuelle in Anspruch zu nehmen. Nicht selten werden ihre Lebensgeschichten und Identitäten – auch aufgrund von (manifesten) homophoben und transphoben Einstellungen und Vorbehalten des Pflegepersonals – in Regeldiensten ignoriert oder übergangen. Diskriminierungserfahrungen mit Pflegediensten werden in diesem Personenkreis nicht selten berichtet. Es fehlt an einer Schulung des Pflegepersonals hinsichtlich der Förderung von Selbstbestimmung und Individualität von pflegebedürftigen LSBTI-Erwachsenen; Qualitätssiegel zur Verbesserung der Pflege- und Lebensqualität von LSBTI-Erwachsenen in der offenen und stationären Altenhilfe gibt es nicht. Zur Gewährleistung der Selbstbestimmung und Identität im Alter und in Abhängigkeit von Dritten, entstehen Wohnprojekte der LSBTI-Community für das Alter(n). Wie diese Erfahrungen auf Regeldienste der Altenhilfe übertragen werden können, wie ein Zertifizierungsverfahren in der ambulanten und stationären Altenpflege die Pflege gestaltet und eine biografiesensible Pflege (generell) gefördert werden können, will GLEPA untersuchen. Ein LSBTI-Qualitätssiegel zur Förderung von Selbstbestimmung und Individualität im Alter soll entwickelt und damit ein konkreter Beitrag für eine biografie- und milieusensible Pflege – nicht nur für LSBTIErwachsene – geleistet werden.


FapP – Berliner Forum ambulanter privater Pflegedienste – Unternehmerische Akteure im Gesundheitssektor zwischen Wirtschaftlichkeit und guter Pflege

Teil-Projektleitung: Claudia Gather
Projektmitarbeit: Lena Schürmann (ASH), Susan Ulbricht, Heinz Zipprian
Kooperationspartner_innen: AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e.V. (AVG), Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), WeiberWirtschaft eG
Förderung: Institut für angewandte Forschung (IFAF Berlin)
Laufzeit: Juli 2015 bis Juni 2017

Bundesweit werden ca. 600 000 pflegebedürftige Menschen in ihrer häuslichen Umgebung von am­bulanten Pflegediensten betreut (Stand 2013). Über 12 000 Pflegedienste, von denen sich knapp zwei Drittel in privater Hand befinden, sind dafür täglich im Einsatz. Mehr als die Hälfte der privaten Dienst­anbieter sind Kleinbetriebe mit maximal zehn Beschäftigten. Während Forschung und politischer Dis­kurs sich vor allem mit den politisch eminenten Fragen zu Pflegequalität und -finanzierung befassen, ist über diesen Bereich privater Pflegedienste nur wenig bekannt. Zwar kann man vermuten, dass die starke Orientierung am Fürsorge-Ethos ganzheitlicher Pflege nicht selten mit den Anforderungen einer kostendeckenden Unternehmensführung in Konflikt gerät, gleichwohl ist das empirisch fundierte Wissen über Unternehmensstrukturen, Geschäftsstrategien und Marktchancen begrenzt.

Das Projekt soll zur grundlegenden Verbesserung des Wissens über den privaten ambulanten Pfle­gebereich und seine strukturellen Probleme beitragen. Im Zentrum steht deshalb die Frage, welche betrieblichen Strategien sich angesichts der komplexen Anforderungsstruktur als gleichermaßen ethisch und wirtschaftlich erfolgreich erweisen. Die Arbeiten konzentrieren sich auf Berlin als bevölke­rungsreiche großstädtische Region, zumal hier der Anteil der privaten Unternehmen an allen ambu­lanten Pflegediensten mit 75,4 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt (63,9 %) liegt.

In Form einer Mehrebenenanalyse sind im Anschluss an eine Vorbereitungsphase folgende Untersu­chungsschritte geplant:

  • Sekundäranalyse verfügbarer quantitativer Daten
  • vier exemplarische Betriebsfallstudien
  • Durchführung und Auswertung von ca. zehn feldbezogenen „Experteninterviews“
  • Gruppendiskussion mit Beschäftigten privater Dienstanbieter (zur Erfassung und Auswertung der Mitarbeiterperspektive)
  • Online-Erhebung im Berliner Raum
  • Bild- und Dokumentenanalyse von Internetauftritten

Neben der Publikation der Forschungsergebnisse zielt das Projekt darauf ab, ein landesweites Forum für ambulante private Pflegedienste einzurichten, um dort mit den relevanten Akteuren die Besonderhei­ten und Probleme kleiner privater Pflegedienste zu erörtern und gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die zur Verbesserung der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit der Unternehmen beitragen und damit indirekt auch die Qualität der Pflege sichern. Anknüpfend an die Identifizierung von verallgemeinerbaren Best Practice-Beispielen, sollen Beratungsmodule entwickelt werden, die den branchenspe­zifischen Betriebs- und Arbeitsstrukturen angemessen sind.